Fastenzeit? Macht Sinn, probieren Sie es doch mal aus – Tipps vom Schlafexperten Jürgen Schuster

von Jürgen Schuster

Dicke Frau steht auf Waage

Mal ehrlich und nur unter uns, welchen Bezug haben Sie zum Fasten? Es geht allerdings nicht um „schon wieder einen Versuch abzunehmen“. Die Fastenzeit hat historisch einen tieferen Sinn und kann eine stärkende Wirkung auf Gesundheit und Psyche entfalten. Abnehmen kommt – je nach Wunsch und Figur – noch als Nebenwirkung dazu.

Woher kommt die Fastenzeit und wozu dient sie?

Entwickelt hat sie sich tatsächlich in der Frühzeit der christlichen Kirche und diente der Vorbereitung auf die Osterzeit. Das hatte auch damit zu tun, dass damals neue Christen in der Osternacht getauft wurden, und entsprechend innerlich bereit sein sollten.

Natürlich hat sich in 2 Jahrtausenden viel geändert, eine besonders auffällige Entwicklung betrifft die Ernährung. Damals hatten die meisten Menschen die Sorge sich überhaupt satt essen zu können – heute haben die meisten Menschen in unserer Kultur die Sorge tendenziell eher zu viel zu essen.

Was kann uns die Fastenzeit heute nützen

Der erste große Nutzen, den Sie haben wenn Sie sich mit der Fastenzeit auseinander setzen, ist die Chance zum Innehalten. In unserer Welt spielen Hektik, Druck und Zeitnot eine solch große Rolle, dass es schon ein wunderbarere Gedanke ist für einen Moment aus dem Hamsterrad auszusteigen und seinen persönlichen Sinn dieser Zeit zu finden. Nicht irgendein Fasten aus Gewohnheit zu gestalten oder „weil man das macht“, sondern aus einem tiefen Selbstbezug heraus. Wir geben Ihnen konkrete Beispiele.

Ernährung ist der Klassiker. Wenn Sie für eine Zeit (also maximal die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern) Ihre Nahrungsmenge reduzieren wollen, haben Sie am leichtesten Erfolg mit einem starken persönlichen Motiv.

  • Nach den intensiven Faschingstagen kann ein Verzicht auf Alkohol sehr sinnvoll sein und die Leber entlasten. Außerdem haben alkoholische Getränke meist viele Kalorien, und somit hilft alleine das schon beim Abnehmen, falls gewünscht.
  • Verzicht auf Fleisch kann eine interessanter Selbstversuch sein, in einer Zeit, wo Vegetarismus und Veganismus fast schon Trendcharakter haben.
  • Aus meiner Sicht ist der Verzicht auf Süßigkeiten incl. sogenannter Softdrinks besonders logisch, weil der hohe Zuckerkonsum in unserer Gesellschaft für sehr viele gesundheitliche Schäden zuständig ist.
  • Eine sehr wertvolle Art des Fasten hat nichts mit der tatsächlichen Nahrungsmenge zu tun. Wirklich bewusst essen, statt neben den Mahlzeiten zu arbeiten, im TV zu zappen, Mails zu checken oder über irgendwas zu schimpfen. Eben wirklich genießen und sich eine Dankbarkeit erlauben, dass wir uns zu jeder Zeit satt essen können – was für unsere Vorfahren unvorstellbarer Luxus war. Wer bewusst isst, genießt, und gemütlich kaut, wird leichter satt – und reduziert schon dadurch seine Kalorienmenge. Das ist wirklich kluges Fasten.

Heilfasten in einem beschränkten Zeitrahmen von 1-2 Wochen gilt vielen Medizinern als Turbo für das Immunsystem. Tatsächlich dürfte die Wirkung auf Entzündungsreaktionen gut belegt sein. Viele Menschen berichten auch, dass sie sich nach so einer Fastenkur einfach besser fühlen und mehr Energie spüren. Allerdings ist Heilfasten nicht für jeden Menschen geeignet, besonders bei Vorerkrankungen. Konsultieren Sie bei Interesse lieber Ihren Hausarzt. Bei Fastenkuren in Heilbädern sind die entsprechenden Fachärzte sowieso vor Ort und kümmern sich.

Ungewöhnliche Chancen der Moderne

Entertainment – in der erwähnten Dauerberieselung kommt unser Geist nicht zur Ruhe. Entsprechend haben wir auch Mühe innerlich abzuschalten und genug guten Schlaf zu bekommen. Viele Menschen sind weniger nach Alkohol und Spielen etc. süchtig, sondern nach andauernder Ablenkung. Wovor? Schlimmstenfalls vor uns selbst. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Besinnung auf uns selbst, auf das was uns wirklich wichtig ist im Leben. Krass gesagt könnte also die Glotze öfters mal abgeschaltet werden und eine freundliche Beschäftigung mit sich selbst, mit echten Freunden oder der Familie uns zu innerer Ruhe verhelfen. Ganz ohne Meditationskurs.

Smartphone – die Sucht unserer Tage schlechthin, nicht nur für junge Menschen. Wenn Sie in der S-Bahn den Blick vom eigenen Handy kurz heben, sehen Sie nur gesenkte Köpfe. Viele Menschen halten kaum ein paar Minuten aus, ohne schon wieder auf kleinen Bildschirm zu stieren. Für unser Gehirn ist das Stress, ohne dass es uns bewusst wird. Wir sind nicht anwesend, wo immer wir uns körperlich gerade befinden. „Selfie-Fasten“ kann so für manche ein innovativer Ansatz sein.

Nur vergessen Sie bei allem den Humor nicht – niemand soll ein schlechtes Gewissen bekommen.

Die große Chance

Der Gedanke an das Fasten oder die Fastenzeit kann also viel Kraft entfalten, um sich selbst ein Stück näher zu kommen. Selbstbeziehung und Selbstbestimmung kommen oft zu kurz in der Leistungsgesellschaft und entsprechend groß ist die Sehnsucht vieler Menschen nach mehr Sinn im Leben. Das uralte chinesische I Ging lobt beispielsweise Mäßigung als einen Weg, den eigenen Mittelpunkt zu finden.

Wo bin ich im Übermaß kann beispielsweise eine Frage sein, die Ihnen ermöglicht eine ganz persönliche Antwort zu finden. So bietet die Fastenzeit 2015 eine Chance Ihren individuellen Weg wieder einmal zu bestimmen. Viel Erfolg dabei.

Herzlichst,

Ihr Jürgen Schuster

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